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Für diese Martinsgeschichte braucht niemand eine Rolle auswendig zu lernen. Du liest vor, zeigst eine Bewegung und lässt den Kindern Zeit, sie auszuprobieren. Alle erleben den Weg, den kalten Wind, das Anhalten und das Teilen gemeinsam. Der Text ist eine freie, kindgerechte Nacherzählung der bekannten Martinslegende mit einer anschließenden Laternenrunde.
Wenn du einzelne Spiele für ein größeres Angebot suchst, findest du sie in unserer Übersicht St. Martin im Kindergarten: Spiele rund um Licht und Teilen. Auf dieser Seite steht dagegen eine zusammenhängende Geschichte im Mittelpunkt.
Was brauchst du für die St.-Martin-Bewegungsgeschichte?
Ein weiches rotes Tuch und ein freier Platz pro Kind reichen aus. Eine Laterne mit einem sicher eingesetzten LED-Licht ist eine schöne Ergänzung, aber keine Voraussetzung. Die Bewegungen funktionieren ohne Kostüme, Pferdefiguren oder eine Bühne. Für eine erste Durchführung ist eine Gruppe von etwa sechs bis achtzehn Kindern ein praktikabler Planungsrahmen; in einer größeren Gruppe hilft eine zweite begleitende Person.
- Alter: etwa drei bis sechs Jahre; Bewegung und Sprachumfang an die Gruppe anpassen.
- Raum: Gruppenraum, Bewegungsraum oder ruhige Ecke mit ausreichend Abstand.
- Material: ein rotes Tuch, optional eine stabile LED-Laterne.
- Vorbereitung: ungefähr fünf Minuten zum Lesen und Herrichten.
- Durchführung: ungefähr 25 Minuten einschließlich Einstieg und Abschluss.
Lege das Tuch zunächst neben deinen Platz. Kinder sollen es nicht ständig tragen oder beim Gehen hinter sich herziehen. Wenn die Laterne eingesetzt wird, steht sie auf einer stabilen Unterlage außerhalb der Bewegungsfläche. Die Gruppe bleibt bei der Geschichte auf ihren Plätzen; ein Laternenumzug ist ein anderes Angebot und braucht eigene Absprachen.
So planst du das Angebot für ungefähr 25 Minuten
| Phase | Zeit | Was du machst |
|---|---|---|
| Ankommen | 3 Minuten | Tuch zeigen, Thema benennen und Mitmachen erklären. |
| Bewegungen kennenlernen | 4 Minuten | Gehen, Wind, Anhalten und Teilen gemeinsam ausprobieren. |
| Geschichte | 10 Minuten | Langsam vorlesen, Bewegungspausen lassen und die Teilenszene zeigen. |
| Gespräch | 5 Minuten | Zwei kurze Fragen zu Wahrnehmen und Helfen stellen. |
| Ruhiger Abschluss | 3 Minuten | Licht betrachten oder die Hände ruhig ablegen. |
Die Zeiten sind eine Orientierung. Wenn eine junge Gruppe nach sieben Minuten genug von der Geschichte hat, kürzt du die Laternenrunde und beendest das Angebot ruhig. Ein guter Abschluss ist wichtiger als das genaue Einhalten eines Plans. Vorschulkinder können anschließend eine eigene Idee zum Helfen zeigen oder beschreiben.
Welche Bewegungen kommen in der Geschichte vor?
Vier wiederkehrende Bewegungen reichen: auf der Stelle gehen, den Wind mit den Händen zeigen, bewusst anhalten und das Teilen mit offenen Händen darstellen. Die Kinder brauchen keine komplizierte Bewegungsfolge zu merken. Du machst jede Bewegung zuerst vor und sprichst ihren Namen deutlich aus.
| Signal | Im Stehen | Im Sitzen |
|---|---|---|
| Unterwegs | Langsame Schritte am eigenen Platz. | Abwechselnd die Füße heben oder die Hände auf die Oberschenkel tippen. |
| Der Wind weht | Hände sanft von einer Seite zur anderen bewegen. | Dieselbe Handbewegung, Oberkörper ruhig halten. |
| Wir halten an | Beide Füße abstellen, Hände ruhen lassen. | Füße und Hände bequem ablegen. |
| Wir teilen | Die Hände öffnen und langsam auseinanderführen. | Die Hände über dem Schoß öffnen. |
Die Martinsgeschichte zum Vorlesen: Ein Mantel und ein Licht
Die folgenden Absätze kannst du direkt vorlesen. Die kursiven Bewegungsanweisungen sind für die Spielleitung gedacht und werden nicht mitgelesen. Lass nach jedem Absatz einige Sekunden Zeit. Die Geschichte verwendet kurze Dialoge und konzentriert sich auf das Wahrnehmen eines anderen Menschen und das Teilen.
Es ist ein kalter Tag. Über dem Weg liegt ein grauer Himmel. Der Wind streicht an den Häusern vorbei. Er bewegt die Zweige und raschelt in den letzten Blättern. Wir schauen in die Ferne und machen uns auf den Weg.
Bewegung: Eine Hand locker über die Augen halten, dann langsam am Platz gehen.
Auch Martin ist unterwegs. Er sitzt auf seinem Pferd und trägt einen großen Mantel. Der Mantel hält ihn warm. Das Pferd geht ruhig voran. Klipp, klapp, klipp, klapp: Wir hören seine Schritte auf dem Weg.
Bewegung: Sanft im Wechsel auf die Oberschenkel tippen. Das Tempo bleibt langsam.
Da kommt ein Windstoß. Hui! Martin zieht den Mantel enger um seine Schultern. Auch wir merken, wie kalt der Wind sein kann. Wir bewegen die Hände wie Wind und legen sie dann auf unsere eigenen Schultern.
Bewegung: Hände seitlich bewegen, anschließend die eigenen Schultern berühren oder die Hände vor dem Körper halten.
Vor einem Tor sitzt ein Mensch. Er hat keinen warmen Mantel. Er friert. Menschen gehen an ihm vorbei. Manche schauen geradeaus. Manche haben es eilig. Martin sieht ihn. Martin hört, dass er Hilfe braucht.
Bewegung: Langsam den Kopf wenden. Dann die Hände ganz ruhig halten.
Martin hält sein Pferd an. Er steigt ab. Er bleibt bei dem Menschen stehen und schaut ihn an. „Du frierst“, sagt Martin. „Mein Mantel ist groß. Ich kann einen Teil davon mit dir teilen.“
Bewegung: Alle halten an. Die Spielleitung nimmt das gefaltete Tuch und zeigt es der Gruppe.
In der bekannten Geschichte teilt Martin seinen Mantel in zwei Stücke. Ein Stück gibt er dem frierenden Menschen. Ein Stück behält er selbst. Wir zeigen das Teilen mit unserem Tuch: Erst liegt es gefaltet da. Dann öffnen wir es weit. Jetzt können beide Seiten gesehen werden.
Bewegung: Das Tuch ohne Schneiden auffalten. Die Kinder öffnen langsam ihre Hände.
Der Mensch nimmt das Mantelstück an. Er legt es um seine Schultern. „Danke“, sagt er. Martin nickt. Für einen Moment stehen die beiden ruhig da. Der Wind weht noch immer, aber der Mensch muss jetzt nicht mehr ohne Mantel sitzen.
Bewegung: Hände locker auf die eigenen Schultern legen, kurz innehalten.
Martin geht weiter. Wir begleiten ihn mit langsamen Schritten. Wir denken an den Menschen am Tor. Martin hat hingeschaut. Er hat angehalten. Er hat etwas getan, das dem anderen geholfen hat.
Bewegung: Langsam gehen oder tippen. Beim Wort „angehalten“ noch einmal kurz stoppen.
Nun kehren wir aus der alten Geschichte in unseren Raum zurück. Hier steht unsere Laterne. Ihr Licht ist klein und ruhig. Wir schauen hin. Niemand braucht zu drängeln. Von unseren Plätzen aus können wir das Licht gemeinsam sehen.
Bewegung: Zur Laterne schauen oder die Hände zu einer kleinen Schale formen.
Was können wir heute miteinander teilen? Vielleicht Zeit für ein Spiel. Vielleicht einen Platz neben uns. Vielleicht eine Idee. Wir müssen nicht alles abgeben. Wir können überlegen, was wir anbieten möchten und was dem anderen gerade hilft.
Bewegung: Eine Hand öffnen. Wer möchte, nennt leise eine eigene Idee.
Zum Schluss machen wir unsere Hände ganz ruhig. Wir hören einen Moment in den Raum. Unsere Geschichte ist zu Ende. Der Gedanke bleibt: Wir können hinsehen, zuhören und miteinander freundlich sein.
Bewegung: Hände bequem ablegen und einige ruhige Atemzüge lang sitzen oder stehen.
Wie sprichst du danach über das Teilen?
Frage nach konkreten Beobachtungen: „Woran hat Martin gemerkt, dass jemand Hilfe braucht?“ und „Was könnte bei uns im Kindergarten helfen?“ Zwei Fragen reichen für einen kurzen Abschluss. Kinder dürfen mit Worten antworten, auf das Tuch zeigen oder eine passende Bewegung vormachen.
Vermeide ein Abfragen der vermeintlich richtigen Moral. Ein Kind, das sein Lieblingsspielzeug gerade nicht teilen möchte, hat die Geschichte nicht automatisch falsch verstanden. Du kannst sagen: „Das gehört dir. Du darfst entscheiden. Vielleicht möchtest du etwas anderes anbieten oder später gemeinsam spielen.“ Teilen und persönliche Grenzen passen zusammen.
Wenn Kinder unterschiedliche Ideen nennen, greife sie auf: Ein Platz am Tisch, Hilfe beim Aufräumen, ein gemeinsam gebauter Turm oder Zeit zum Zuhören sind gut verständliche Beispiele. So bleibt das Gespräch nah am Alltag. Eine allgemeine Aufforderung wie „Ihr müsst immer lieb sein“ hilft weniger als eine konkrete Handlung.

Wie passt du die Martinsgeschichte an das Alter an?
Für Dreijährige kürzt du den Vorlesetext auf Weg, Wind, Anhalten, Teilen und Abschluss. Wiederhole dieselben vier Bewegungssignale, statt neue einzuführen. Die Kinder müssen weder den Namen eines historischen Ortes noch den Ablauf eines Laternenfestes kennen.
Für Vier- und Fünfjährige kannst du die Geschichte vollständig nutzen. Ein Kind darf die Windbewegung vormachen, ein anderes das Stoppsignal zeigen. Wer nicht sprechen möchte, übernimmt keine Sprechrolle. Die Geschichte trägt auch dann, wenn die Erwachsenen alle Dialoge lesen.
Vorschulkinder können vor der Teilenszene überlegen: „Welche Möglichkeiten hätte Martin noch?“ Sammle zwei oder drei Ideen und lies dann weiter. Anschließend können die Kinder ein Bild mit zwei Personen und einem geteilten Gegenstand malen. Die Aufgabe bleibt offen; es gibt kein einheitliches Musterbild.
Was hilft, wenn die Gruppe unruhig wird?
Reduziere zuerst das Tempo und die Anzahl der Bewegungen. Lass die Kinder auf ihren Plätzen bleiben, sprich das nächste Signal einzeln und mache eine kleine Pause. Ein leiser Einstieg funktioniert meist besser als eine zusätzliche laute Aufgabe, wenn die Gruppe ohnehin schon viel Bewegung erlebt hat.
Du kannst den Text auch in zwei Teile teilen: zuerst Weg und Mantelszene, später Licht und Gespräch. Plane den Übergang deutlich: „Wir legen das Tuch jetzt hin und hören den letzten Teil.“ Für weitere ruhige Einstiege findest du passende Anregungen bei den Kennenlernspielen für den Kindergarten und den Kreisspielen für den Morgenkreis.
Häufige Fragen zur St.-Martin-Bewegungsgeschichte
Kann ich die Geschichte ohne Laterne durchführen?
Ja. Der rote Stoff und die Bewegungen reichen aus. Am Ende formen die Kinder mit den Händen eine Schale oder legen sie ruhig ab; ein echtes Licht ist für die Erzählung nicht nötig.
Brauchen die Kinder Kostüme oder feste Rollen?
Nein. Alle Kinder begleiten dieselbe Geschichte mit Bewegungen. Das vermeidet lange Wartezeiten und eine feste Zuweisung zur Rolle eines hilfsbedürftigen Menschen.
Eignet sich das Angebot für eine religiös vielfältige Gruppe?
Die Martinslegende kann als Geschichte aus einer christlichen Tradition vorgestellt werden. Erkläre diesen Hintergrund offen und lade zum Zuhören und Nachdenken ein, ohne ein Glaubensbekenntnis oder religiöse Teilnahme vorauszusetzen. Das gemeinsame Gespräch kann sich auf Helfen, Wahrnehmen und freiwilliges Teilen beziehen.
Darf die ganze Gruppe im Sitzen mitmachen?
Ja. Schritte werden durch leises Tippen ersetzt, Wind und Teilen durch Handbewegungen. Auch der ruhige Abschluss bleibt gleich. Entscheidend ist die gemeinsame Erzählung, nicht eine bestimmte Körperhaltung.
Zum Hintergrund der Tradition bietet das Bistum Trier Informationen zu St. Martin. Der Vorlesetext und die Bewegungsfolge auf dieser Seite sind eine eigene pädagogische Ausarbeitung.





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