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Bei diesem Hörspaziergang halten Kinder nicht nach Dingen Ausschau, sondern nach Geräuschen. Sie hören drei Minuten bewusst hin, merken sich die Richtung und tragen ihre Entdeckungen anschließend auf einer einfachen Karte ein. Für Kinder von vier bis sechs Jahren reichen 25 Minuten und ein ruhiger Weg im Garten oder in der Nähe der Kita.
Warum die Karte zuerst leer bleibt
Zeige ein Blatt mit einem großen Kreis in der Mitte. Er steht für unseren Standort. Mehr brauchst du zunächst nicht. Eine vorgezeichnete Vogel- oder Autospur würde Antworten vorwegnehmen. Kinder dürfen auch sagen, dass sie nichts gehört haben. Genaues Zuhören ist keine Prüfung.
Material: je Gruppe ein Klemmbrett, dicker Stift, Papier, eine Uhr und bei Bedarf Bildkarten für Vogel, Schritte, Wind und Fahrzeug. Geht nur an Plätze, die der Gruppe bekannt und gut einsehbar sind.
Ablauf: drei Hörstopps
0–5 Minuten: Im Kreis ausprobieren, was „ganz still“ bedeutet. Geräusche lassen sich nicht abschalten, aber wir können selbst leise werden. 5–14 Minuten: An drei Orten jeweils ungefähr eine Minute zuhören. Nach jedem Stopp zeigt jedes Kind mit der Hand in die vermutete Richtung. 14–20 Minuten: Zurück an den Tisch gehen und die Geräusche mit Strichen oder kleinen Bildern um den Mittelpunkt eintragen. 20–25 Minuten: Zwei Karten vergleichen.
Eine Karte kann links ein Auto, rechts einen Vogel und hinter dem Kreis raschelnde Blätter zeigen. Die Richtung muss nicht zentimetergenau sein; das Gespräch über die Wahrnehmung zählt.
Wenn ein Geräusch nicht eindeutig ist
„War das ein Vogel oder eine quietschende Tür?“ Frage nicht sofort nach der richtigen Lösung. Lass die Kinder beschreiben: War es kurz, lang, laut, rhythmisch? Hört ihr es noch einmal? So entstehen genauere Beschreibungen, ohne dass du ein Ratespiel mit Gewinnern daraus machst.

Kleine und große Gruppen
Mit drei- bis vierjährigen Kindern nimmst du nur einen Hörplatz und legst gemeinsam drei Bildkarten. Fünf- und Sechsjährige können zwei Standorte vergleichen: Was hörten wir beim Baum, was am Zaun? In einer großen Gruppe arbeiten zwei Kleingruppen nacheinander; eine zweite Aufsicht ist draußen oft sinnvoll.
Wenn ein Kind empfindlich auf Geräusche reagiert, kündige den Ort an und ermögliche einen ruhigeren Platz. Niemand muss die Augen schließen oder lange still sitzen.

Auswertung ohne Richtig-falsch
Lege die Karten nebeneinander. „Warum ist bei dir der Vogel rechts und bei mir links?“ Vielleicht standen die Kinder anders. Markiert zum Schluss einen Klang, den ihr beim nächsten Spaziergang wiedererkennen möchtet. Wer eine weitere Variante braucht, findet beim Hörmemory mit Alltagsgeräuschen zusätzliche Hörideen.
Wenn die Gruppe das Angebot wiederholt
Beim zweiten Spaziergang kannst du dieselben Hörorte aufsuchen. Legt die alten Karten aus und sucht nach einer Veränderung: Ist das Rascheln bei Wind stärker? Hört man zur anderen Tageszeit mehr Stimmen? Eine Veränderung kann auch sein, dass ein Geräusch fehlt. Vermeide den Anspruch, jeden Klang einer eindeutigen Quelle zuzuordnen.
Im Gruppenraum lassen sich die Geräusche anschließend nachmachen: Papier raschelt wie Laub, Finger tippen wie Regen, Füße stampfen wie Schritte. Vergleicht die nachgemachten mit den erinnerten Klängen. Eine Aufnahme ist für diese Übung nicht nötig; so entstehen auch keine Datenschutzfragen durch Tonmitschnitte.
Ein vollständiger Hörstopp: So kannst du ihn anleiten
Stellt euch an den Rand des Kita-Gartens, dort, wo die Kinder den Zaun und einen Baum sehen können. Sage: „Wir bleiben hier stehen und hören, ohne zu reden. Danach zeigt ihr mir, aus welcher Richtung etwas kam.“ Gib allen einen kurzen Moment, um einen sicheren Platz zu finden. Erst dann beginnt die Hörzeit.
Nach ungefähr einer Minute fragst du nicht „Habt ihr den Vogel gehört?“, sondern: „Was ist euch aufgefallen?“ Ein Kind hört Blätter, ein anderes Schritte auf dem Weg. Lass beide nacheinander auf die Richtung zeigen. Frage bei einem unklaren Geräusch nach seiner Form: „Hat es geklopft, geraschelt oder gepfiffen?“ So bekommen die Kinder Worte für etwas, das sie gerade selbst wahrgenommen haben.
Zeichnet auf einer gemeinsamen Karte zuerst euren Standort in die Mitte. Steht der Baum von euch aus rechts, kommt das Blätterrauschen rechts neben den Kreis. Ein Auto, das hinter der Hecke vorbeifuhr, wird als kleines Rechteck hinter den Kreis gesetzt. Die Zeichen müssen nicht schön sein. Die Karte hält fest, wie die Gruppe diesen Ort gehört hat.
Drei Veränderungen, die sich wirklich vergleichen lassen
Ein anderer Standort: Geht mit derselben Gruppe zehn Schritte weiter. Bleibt wieder stehen und hört ähnlich lange. Welche Geräusche sind neu, welche leiser? Kinder entdecken, dass der Standort die Wahrnehmung verändert.
Eine andere Tageszeit: Hört am Vormittag und nach dem Mittag am gleichen Platz. Ein Geräusch, das einmal fehlt, ist ebenso interessant wie eines, das neu hinzukommt. Notiere Datum und ungefähre Uhrzeit unter beide Karten.
Augen offen oder geschlossen: Wer möchte, darf kurz die Augen schließen; niemand muss. Vergleicht danach, ob sich das Zuhören anders angefühlt hat. Für jüngere Kinder und an unübersichtlichen Orten bleiben die Augen grundsätzlich offen. Richtungsangaben funktionieren auch dann gut.
Welche Fragen helfen, ohne die Antwort vorzugeben?
- „Kam das Geräusch von oben, von unten oder ungefähr auf unserer Höhe?“
- „War es gleichmäßig oder immer wieder unterbrochen?“
- „Was hast du gehört, bevor das laute Fahrzeug vorbeigefahren ist?“
- „Könnten zwei Kinder am selben Ort etwas Unterschiedliches hören?“
- „Wie könnten wir überprüfen, ob das Geräusch wiederkommt?“
Vermeide einen Wettbewerb darüber, wer mehr Geräusche gehört hat. Manche Kinder konzentrieren sich lieber auf einen Klang und können ihn dafür sehr genau beschreiben. Das ist ein vollwertiger Beitrag zur Runde.
Wenn draußen keine ruhige Minute möglich ist
Ein Hörspaziergang braucht keine absolute Stille. Verkehr, Gespräche und Wind sind Teil der Umgebung. Wenn jedoch eine Baustelle direkt neben der Kita zu laut ist, verlegt ihr den Versuch in zwei Innenräume: etwa den Gruppenraum und den Flur außerhalb der Spielzeit. Hört an beiden Orten und fertigt je eine Karte an. Achtet dabei darauf, andere Gruppen nicht zu stören.
Zum Mitnehmen eignet sich eine einfache Dokumentationskarte: Unser Hörort: ____; Heute gehört: ____; Richtung: ____; So klang es: ____. Ein Kind darf diktieren, ein anderes zeichnen. Beim nächsten Hörspaziergang hilft diese kleine Karte mehr als ein allgemeines Lob wie „Ihr habt gut zugehört“.




