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„Das Blatt auf Reisen“ ist eine zusammenhängende Mitmachgeschichte für den Kindergarten. Du brauchst weder eine Bühne noch eine Gerätesammlung. Die Kinder machen aus ihren Armen Baumzweige, lassen Blätter mit den Fingern sinken und begleiten einen kleinen Igel. Der Ablauf wechselt zwischen Bewegung, kurzem Innehalten und Zuhören.
Die Geschichte eignet sich als eigenes Angebot im Gruppenraum oder als längerer Teil eines Herbstmorgenkreises. Für einzelne Spiele rund um die Jahreszeit nutze unsere Herbstspiele für den Kindergarten. Ein kompletter Gesprächskreis mit weiteren Themen lässt sich mit den Ideen für den Morgenkreis im Herbst planen.
Was brauchst du für die Herbstbewegungsgeschichte?
Du brauchst den Vorlesetext und einen gut erreichbaren Platz für jedes Kind. Ein großes Herbstblatt als Anschauungsstück ist hilfreich, aber nicht notwendig. Die Reise findet in der Fantasie statt; Blätter müssen dafür nicht auf dem Boden verteilt werden.
- Alter: ungefähr drei bis sechs Jahre.
- Gruppengröße: als erster Planungsrahmen etwa sechs bis zwanzig Kinder.
- Dauer: 20 bis 25 Minuten einschließlich Einführung und Ausklang.
- Material: optional ein großes Blatt und ein Korb für Anschauungsmaterial.
- Raum: freier Bereich im Gruppenraum oder ein Stuhlkreis mit Bewegungsabstand.
Schau dir den Raum vor dem Beginn aus der Sicht der Kinder an. Können zwei Nachbarn ihre Arme bewegen, ohne sich zu berühren? Liegen Taschen oder Spielmaterial im Weg? Falls die Fläche knapp ist, bleibt die ganze Gruppe im Stuhlkreis und nutzt die Sitzbewegungen. Ein ruhiger Platz ist für dieses Angebot hilfreicher als besonders viel Dekoration.
So bereitest du den Einstieg vor
Zeige ein Blatt oder forme eines mit der Hand und frage: „Wie bewegt sich ein Blatt, wenn der Wind kommt?“ Nimm zwei oder drei Antworten auf. Dann erklärst du: „Wir reisen heute mit einem Blatt durch den Herbst. Jede und jeder bleibt am eigenen Platz. Du kannst stehen, sitzen oder zuhören.“
Übe die Bewegungen einmal ohne Geschichte. Die Arme wachsen wie Zweige, die Hände schwingen im Wind, die Finger rieseln nach unten und beide Hände kommen am Ende zur Ruhe. Die Kinder müssen keine festen Bewegungsregeln aufsagen. Es genügt, wenn sie deine Bewegung erkennen und nachmachen können.
Ein einfacher Ablauf für 20 bis 25 Minuten
| Phase | Zeit | Inhalt |
|---|---|---|
| Herbstblatt entdecken | 3 Minuten | Blatt zeigen und Beobachtungen sammeln. |
| Bewegungen ausprobieren | 3 Minuten | Baum, Wind, fallendes Blatt und Ruhe vormachen. |
| Geschichte erleben | 10–12 Minuten | Vorlesen und nach jeder Szene Zeit zum Bewegen lassen. |
| Kurzes Gespräch | 2–4 Minuten | Lieblingsszene oder eine passende Bewegung auswählen. |
| Zur Ruhe kommen | 2–3 Minuten | Hände ablegen und den Raum wieder wahrnehmen. |
Lass die Gruppe das Tempo mitbestimmen. Wenn viele Kinder erst nach deiner Bewegung beginnen, brauchst du längere Pausen. Wenn alle schnell folgen, muss der Text deshalb nicht schneller werden. Die kleinen stillen Momente gehören zum Angebot. Du kannst das Gespräch verkürzen, statt den Schluss hektisch zu lesen.
Die Herbstbewegungsgeschichte zum Vorlesen
Lies die normalen Absätze vor. Die kursiven Zeilen zeigen dir die passende Bewegung und werden nicht mitgelesen. Der Vorlesetext ist eine eigene Fantasiegeschichte. Dass das Blatt sprechen kann, ist Teil der Erzählung; Naturbeobachtungen und erfundene Handlung kannst du im anschließenden Gespräch unterscheiden.
Am Rand eines Waldes steht ein großer Baum. Sein Stamm ist fest, seine Zweige reichen weit nach oben. An einem Zweig hängt ein kleines gelbes Blatt. Es schaut auf den Weg und auf die Wiese. „Wie es wohl dort unten aussieht?“, denkt das Blatt.
Bewegung: Arme langsam nach oben wachsen lassen. Im Sitzen bleiben die Füße bequem auf dem Boden.
Ein leichter Wind kommt vorbei. Er streicht über die Wiese und schaukelt die dünnen Zweige. Das gelbe Blatt bewegt sich hin und her. Noch hält es sich am Zweig fest. Der Baum schwankt ein kleines bisschen, aber sein Stamm bleibt an seinem Platz.
Bewegung: Hände und Unterarme sanft hin und her bewegen; die Füße bleiben stehen.
Der Wind wird etwas stärker. „Komm mit!“, flüstert er. Das Blatt löst sich vom Zweig. Es gleitet langsam nach unten, bleibt kurz in der Luft und sinkt noch ein Stück. Dann trägt der Wind es über den Weg.
Bewegung: Finger von oben nach unten rieseln lassen. Ein zweites Mal langsam wiederholen.
Unter dem Blatt raschelt es. Ein kleiner Igel sitzt zwischen trockenen Blättern. Er schiebt sich vorsichtig hindurch. „Ich suche einen geschützten Platz“, sagt er in unserer Geschichte. „Unter den Blättern ist es gemütlich.“ Das gelbe Blatt schaut neugierig hin.
Bewegung: Hände klein vor dem Körper zusammenführen. Wer möchte, macht den Rücken ein wenig rund.
Der Igel läuft weiter. Das Blatt lässt sich noch einmal vom Wind tragen. Da landet es neben einer Pfütze. Ein Tropfen fällt hinein. Plipp. Ein zweiter Tropfen folgt. Plapp. Viele kleine Kreise erscheinen auf dem Wasser.
Bewegung: Mit zwei Fingern abwechselnd leise auf die andere Hand oder den Oberschenkel tippen.
„Hier ist es mir zu nass“, denkt das Blatt. Es wartet auf den nächsten Wind. Der Wind kommt sanft zurück und hebt das Blatt ein kleines Stück an. Es fliegt über die Pfütze hinweg, ohne dass jemand springen muss.
Bewegung: Beide Hände langsam anheben und in einem kleinen Bogen nach vorne führen.
Nun liegt das Blatt am Fuß eines Baumes. Eine Nuss rollt vorbei. Oben auf einem Ast sitzt ein Eichhörnchen. Es schaut nach links und nach rechts. Dann hält es die Nuss mit beiden Pfoten fest. Das Blatt beobachtet es ganz still.
Bewegung: Kopf behutsam nach links und rechts wenden; Hände vor dem Körper wie kleine Pfoten halten.
Ein Sonnenstrahl fällt zwischen die Zweige. Er trifft das gelbe Blatt und lässt seine Farbe leuchten. „Vielleicht bleibe ich hier“, denkt das Blatt. Es liegt ruhig da. Für einen Moment ist nur das leise Rascheln der anderen Blätter zu hören.
Bewegung: Hände langsam öffnen und dann im Schoß oder an den Seiten ruhen lassen.
Doch da kommt noch ein Windstoß. Hui! Das Blatt hebt sich wieder. Es schwebt über den Boden, ganz langsam und ohne Eile. Vor einem Strauch liegen viele rote, braune und gelbe Blätter. Sie liegen nah beieinander, aber jedes hat seine eigene Form.
Bewegung: Hände einmal sanft seitlich schwingen und anschließend langsam nach unten sinken lassen.
„Hier ist noch Platz“, flüstert ein braunes Blatt. Unser gelbes Blatt landet neben ihm. Es braucht nicht mehr weiterzureisen. Unter dem Strauch ist es geschützt. Der Wind kann die kleinen Zweige bewegen, ohne das Blatt wieder fortzutragen.
Bewegung: Hände mit etwas Abstand nebeneinander auf dem Schoß ablegen oder bequem vor dem Körper halten.
Auch der Igel kommt vorbei. Er schaut sich den geschützten Platz an. Dann verschwindet er vorsichtig zwischen den Blättern. Das Eichhörnchen ist wieder auf seinem Ast. Der Regen hat aufgehört. Unser Blatt hört dem Wald noch einen Moment zu.
Bewegung: Ganz still werden. Niemand muss die Augen schließen.
Und wir? Wir kehren aus dem Herbstwald in unseren Raum zurück. Wir sehen unsere Nachbarn, unsere Stühle und die Fenster. Unsere Hände werden ruhig. Das Blatt bleibt in der Geschichte unter seinem Strauch. Wir sind wieder hier.
Bewegung: Den Blick durch den Raum wandern lassen, Schultern locker lassen und die Hände ablegen.
Welche Bewegungen passen auch im Sitzen?
Alle Bewegungen der Geschichte können mit Händen, Armen und Blickrichtung dargestellt werden. Aufstehen ist keine Voraussetzung. Lass die ganze Gruppe die Sitzvariante kennenlernen, damit sie als gleichwertige Möglichkeit sichtbar wird.
| Szene | Sitzvariante | Kleine Alternative |
|---|---|---|
| Baum | Arme nach oben führen. | Nur eine Hand oder zwei Finger anheben. |
| Wind | Unterarme langsam seitlich schwingen. | Eine Hand vorsichtig hin und her bewegen. |
| Blatt fällt | Finger über dem Schoß nach unten bewegen. | Mit dem Blick einer gezeigten Hand folgen. |
| Regen | Leise auf einen Oberschenkel tippen. | Den Tropfen nur zuhören. |
| Ruheplatz | Hände bequem ablegen. | Eigene angenehme Haltung wählen. |
Ein Kind darf verschiedene Möglichkeiten kombinieren: beim Baum eine Bewegung zeigen, beim Regen zuhören und beim Schluss die Hände ablegen. Es braucht dafür keine Sonderrolle. Frage vor dem Angebot nach bekannten Unterstützungsbedarfen und orientiere dich an den Möglichkeiten des jeweiligen Kindes, statt Bewegungen zu erzwingen.

Wie veränderst du die Geschichte für jüngere und ältere Kinder?
Für Dreijährige kürzt du die Reise auf Baum, Wind, fallendes Blatt und Ruheplatz. Die Tiere können beim ersten Mal entfallen. Lies in kurzen Einheiten und mache deutlich sichtbare Bewegungen vor. Eine kleine Geschichte, der alle folgen können, ist hilfreicher als ein langer Ablauf mit vielen neuen Signalen.
Für Vier- und Fünfjährige eignet sich die vollständige Geschichte. Frage nach einer Szene: „Wie kann dein Blatt ganz langsam sinken?“ Die Kinder dürfen verschiedene Antworten zeigen. Du brauchst ihre Bewegungen nicht zu vereinheitlichen, solange Abstand und Ruhe gewahrt bleiben.
Vorschulkinder können nach der ersten Durchführung eine Szene ergänzen. Vielleicht trifft das Blatt einen Vogel oder landet neben einem Stein. Lass sie einen kurzen Satz und eine passende Bewegung finden. Bei der nächsten Runde wird nur diese eine neue Szene eingebaut. So bleibt die Erzählung überschaubar.
Was kannst du nach der Geschichte aufgreifen?
Ein kurzer Rückblick oder eine Beobachtung echter Herbstblätter reichen aus. Frage: „An welchen Ort in der Geschichte erinnerst du dich?“ oder „Welche Bewegung möchtest du noch einmal zeigen?“ Die Antworten müssen nicht in der Reihenfolge der Geschichte erfolgen.
Wenn ein echtes Blatt bereitliegt, können die Kinder Farbe, Form und Oberfläche beschreiben. Sage dabei ausdrücklich: „Unser Blatt konnte in der Geschichte denken und sprechen. Ein echtes Blatt kann das nicht.“ Damit bleibt die Fantasiegeschichte als Fantasie erkennbar, während die anschließende Naturbeobachtung bei dem bleibt, was Kinder tatsächlich sehen und fühlen.
Als Anschluss bieten sich ein gemaltes Lieblingsbild oder ein kurzer Gang nach draußen an. Dafür brauchst du keinen weiteren umfangreichen Arbeitsauftrag. Wer mit Naturmaterialien weiterarbeiten möchte, findet ergänzend Spielideen mit Kastanien. Für einen sprachlichen Ausklang eignen sich kurze Herbstfingerspiele mit Bewegungen.
Häufige Fragen zur Herbstbewegungsgeschichte
Geht die Geschichte ohne Material?
Ja. Das Herbstblatt ist ein Anschauungsstück, kein notwendiges Spielgerät. Zeige seine Bewegung einfach mit deiner Hand. Auch die Tiere und der Regen werden nur erzählt und mit Bewegungen begleitet.
Kann ich das Angebot im Morgenkreis durchführen?
Ja, wenn die Kinder genügend Abstand für die Armbewegungen haben. Im Stuhlkreis nutzt du die Sitzvarianten. Plane die Geschichte als Hauptteil und reduziere andere Programmpunkte, damit der Morgenkreis nicht unnötig lang wird.
Was mache ich, wenn Kinder laut den Sturm spielen?
Stoppe kurz und zeige die vereinbarte kleine Windbewegung. In dieser Geschichte wird nicht gerannt und es gibt keinen Wettbewerb um den lautesten Wind. Falls nötig, lässt du den letzten Windstoß weg und führst direkt zum geschützten Platz.
Müssen alle Kinder die Augen beim Abschluss schließen?
Nein. Die Augen dürfen offen bleiben. Den Blick auf die Hände, den Boden oder einen ruhigen Punkt zu richten, ist genauso möglich. Der Abschluss soll angenehm sein und kein zusätzlicher Test.
Weitere fachliche Hinweise zum Stellenwert von Bewegung und freiem Spiel bietet das Informationsangebot des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit zum Spielen. Die Geschichte auf dieser Seite ist ein angeleitetes Angebot und ergänzt freie Bewegung; sie ersetzt diese nicht.




