Konzentrationsspiele für Kinder mit ADHS

Inhaltsverzeichnis anzeigen

Für Konzentrationsspiele bei ADHS eignen sich kurze Aufgaben mit einer klaren Regel: ein Geräusch erkennen, ein Kartenpaar finden, eine Bewegung nachmachen oder auf ein vereinbartes Signal reagieren. Beginnen Sie mit einer leichten Runde und passen Sie die nächste an das Kind an. Stillsitzen ist dabei kein Maß für gutes Mitmachen.

Was sollten Eltern und Fachkräfte bei ADHS beachten?

ADHS kann sich durch Schwierigkeiten mit Aufmerksamkeit, Impulssteuerung oder ausgeprägte Unruhe zeigen. Welche Situationen einem Kind schwerfallen, ist unterschiedlich. Ein Kind kann lange an seinem Lieblingsthema bleiben und bei einer anderen Aufgabe schnell abschweifen. Daraus lässt sich weder mangelnder Wille noch eine Diagnose ableiten.

Die folgenden Spiele sind Beschäftigungs- und Übungsideen, keine Behandlung. Ob Fortschritte im Spiel auch Hausaufgaben, Unterricht oder andere Alltagssituationen erleichtern, muss einzeln beobachtet werden. Eine sichere Diagnose und die Auswahl geeigneter Hilfen gehören in fachkundige Hände. Das IQWiG erläutert die Behandlungsmöglichkeiten bei ADHS im Kindesalter.

Eine Aufgabe statt vieler Anforderungen

Wählen Sie zuerst, was im Spiel geübt werden soll: zuhören, sich etwas merken, eine Bewegung stoppen oder einen Handlungsschritt abschließen. Wer gleichzeitig still sitzen, warten, zählen und eine neue Regel verstehen soll, braucht möglicherweise mehr Unterstützung, als die Runde bietet. Zeigen Sie den Ablauf einmal vor. Lassen Sie das Kind danach erklären oder vormachen, was es verstanden hat.

Ein leichter Einstieg: Zwei Personen, wenige Gegenstände und eine vereinbarte Runde reichen. Fragen Sie anschließend: „Noch einmal, leichter oder etwas anderes?“ Das Kind darf aufhören.

Was lässt sich beim Spielen beobachten?

Eine Spielrunde macht sichtbar, welche Unterstützung bei einer konkreten Aufgabe hilft. Beim Memory kann ein Kind mit vier Paaren gut zurechtkommen und bei acht Paaren den Überblick verlieren. Beim Klatschmuster kann langsameres Vormachen den Unterschied machen. Daraus lässt sich die nächste Runde ableiten: weniger Karten, eine kürzere Folge oder mehr gemeinsame Schritte. Diese Beobachtung bleibt auf die jeweilige Situation begrenzt. Sie ersetzt weder eine Diagnostik noch die Rückmeldung aus Schule und Familie.

Welche Konzentrationsspiele passen zu Kindern mit ADHS?

Passend ist ein Spiel, dessen Ablauf das Kind versteht und an dem es teilnehmen möchte. Die Auswahl umfasst Karten-, Puzzle- und Brettspielideen sowie Hör-, Such- und Bewegungsspiele. Die Altersangaben sind Orientierung; wichtiger sind Erfahrung, Interessen und Tagesform.

Schauen, vergleichen und sich etwas merken

1. Memory mit wenigen Paaren

Legen Sie zunächst drei oder vier Kartenpaare verdeckt aus. Jeder deckt zwei Karten auf und legt sie wieder zurück, wenn sie nicht zusammenpassen. Die Karten bleiben an ihrem Platz. Ein gemeinsamer Durchgang ohne Gewinner kann den Einstieg erleichtern. Wenn das Kind die Positionen sicher wiederfindet, kommt ein Paar hinzu. Bei Frust wird die Auswahl kleiner; die bereits gefundenen Paare bleiben sichtbar.

2. Farb-Paare-Memory mit Bewegung

Verteilen Sie wenige gut unterscheidbare Bild- oder Farbkarten an sicheren Stellen im Zimmer. Das Kind sucht zwei zusammengehörige Karten und bringt sie zum Tisch. Es geht dabei in seinem Tempo; eine Stoppuhr ist nicht nötig. Diese Variante verbindet das Merken von Orten mit Bewegung. Lassen Sie das Kind die Karten selbst verteilen, wenn es lieber die Spielleitung übernehmen möchte.

3. Ein kleines Puzzle gemeinsam legen

Wählen Sie ein überschaubares Motiv mit wenigen Teilen. Die Vorlage bleibt daneben liegen. Suchen Sie gemeinsam zuerst einen erkennbaren Bereich, etwa das Tier oder ein Fahrzeug. Fragen Sie „Welches Teil könnte hier passen?“ statt ungefragt jedes Teil zu setzen. Ein unfertiges Puzzle darf bis morgen liegen bleiben. Ein schwieriges Motiv wird durch mehr Hilfe leichter, nicht durch die Aufforderung, sich stärker anzustrengen.

4. Formen und Farben sortieren

Legen Sie große, altersgeeignete Bausteine bereit. Zunächst werden nur die roten gesammelt; in der nächsten Runde etwa alle runden Formen. Ändern Sie die Regel erst, wenn die erste verstanden ist. Das Kind kann anschließend selbst eine Sortieraufgabe stellen. Kleine verschluckbare Teile sind für jüngere Kinder ungeeignet. Das Material muss nicht als „Montessori“ verkauft werden, um eine verständliche Aufgabe zu ermöglichen.

5. Mini-Schatzsuche

Verstecken Sie einen gut sichtbaren Gegenstand und geben Sie einen einzelnen Hinweis: „Schau neben dem blauen Kissen.“ Erst nach diesem Schritt folgt der nächste. Für ältere Kinder können zwei Hinweise verbunden werden. Bleibt das Kind an einer Stelle hängen, zeigen Sie die Richtung oder suchen gemeinsam. Vermeiden Sie ein Rennen gegen andere Kinder; gesucht wird ein Schatz, kein Beweis für Schnelligkeit.

Die Vorteile von Konzentrationsspielen für Kinder mit ADHS
Die Vorteile von Konzentrationsspielen für Kinder mit ADHS

Hören und auf ein Signal reagieren

6. Geräusche erraten

Klopfen Sie leise auf den Tisch, rascheln Sie mit Papier oder bewegen Sie einen Schlüsselbund. Das Kind schaut auf Wunsch kurz zur Seite und benennt das Geräusch. Zeigen Sie danach, was es war. Beginnen Sie mit zwei deutlich verschiedenen Geräuschen. Wer nicht wegschauen möchte, darf die Gegenstände sehen. Lautstärke und Überraschungseffekte bleiben gering.

7. Einen Flüsterauftrag ausführen

Sagen Sie einen kurzen, gut hörbaren Auftrag, etwa „Zeige auf das Fenster“. Das Kind wiederholt ihn und führt ihn aus. Dann werden die Rollen getauscht. Flüstern ist eine Variante, keine Pflicht: Wenn das Kind die Wörter nicht versteht, sprechen Sie normal. Zwei Handlungsschritte kommen erst später hinzu. Die Anweisung bleibt so kurz, dass das Kind sie zunächst wiederholen kann.

8. Ein Klatschmuster nachmachen

Klatschen Sie zweimal langsam. Das Kind antwortet mit demselben Muster. Später kann Klatschen mit einem Tippen auf die Oberschenkel wechseln. Probieren Sie eine Folge gemeinsam aus, bevor sie allein wiederholt werden soll. Ein Fehler führt zu einer neuen Runde. In einer Gruppe darf ein Kind zuerst mit einer vertrauten Person spielen, bevor es ein Muster für alle vorgibt.

9. Eine kurze Geschichte nacherzählen

Erzählen Sie drei Sätze über ein Tier, das etwas sucht. Fragen Sie anschließend nach einem Detail: „Was hatte die Katze verloren?“ Das Kind kann antworten, zeigen oder die Szene nachspielen. Bei älteren Kindern wird gemeinsam ein weiterer Satz erfunden. Die Geschichte bleibt kurz genug, dass das Zuhören nicht zur Gedächtnisprüfung wird. Hilfe ist erlaubt.

Bewegung und Regelwechsel

10. Stopptanz ohne Ausscheiden

Die Kinder bewegen sich zu Musik. Bei einer Pause bleiben sie stehen oder sitzen still, soweit es für sie möglich ist. Wer weiterläuft, macht bei der nächsten Runde wieder mit. Eine zusätzliche Aufgabe wie „Berühre deine Schulter“ kommt erst hinzu, wenn die Grundregel klappt. Halten Sie Platz zwischen den Kindern und wählen Sie eine angenehme Lautstärke.

11. Simon sagt

Eine Bewegung wird nur ausgeführt, wenn der Satz mit „Simon sagt“ beginnt. Starten Sie mit zwei bekannten Bewegungen und machen Sie sie vor. In einer leichten Variante wird jede Anweisung angekündigt; erst später kommen Sätze ohne das Startsignal hinzu. Niemand scheidet aus. Ein Kind, das die Spielleitung übernimmt, erlebt dieselbe Regel aus einer anderen Rolle.

12. Ball rollen mit Namen

Zwei Kinder oder ein Kind und eine erwachsene Person sitzen einander gegenüber. Vor dem Rollen wird der Name des Gegenübers genannt. In einer kleinen Gruppe wird der Ball gezielt weitergerollt. Das vermeidet hektische Würfe. Später kann eine vereinbarte Reihenfolge wiederholt werden. Wer eine motorische Anpassung braucht, darf den Ball schieben oder einen anderen Gegenstand weitergeben.

13. Zahlenfolge mit einem Schritt

Zählen Sie gemeinsam bis drei. Bei jeder Zahl macht das Kind einen langsamen Schritt auf einer freien Fläche. Ältere Kinder können rückwärts zählen oder bei einer vorher vereinbarten Zahl stehen bleiben. Es geht um eine verständliche Folge, nicht um möglichst hohe Zahlen. Bei Unsicherheit werden Bewegung und Zählen zunächst getrennt ausprobiert.

14. Partner-Wortkette

Ein Spieler nennt ein Tier, der andere wiederholt es und ergänzt ein weiteres. Nach zwei oder drei Wörtern beginnt eine neue Kette. Wer Hilfe braucht, bekommt eine Auswahl oder darf die Tiere durch Bewegungen darstellen. In einer anspruchsvolleren Variante wird der letzte Laut zum Anfang des nächsten Wortes. Die einfachere Form bleibt verfügbar.

15. Ein Brettspiel in einer kurzen Runde

Wählen Sie ein bekanntes Spiel mit wenig Wartezeit und vereinbaren Sie vorab ein Ende, etwa nach einem Durchgang. Zeigen Sie den nächsten Schritt, wenn das Kind den Ablauf verliert. Schach oder längere Wirtschaftsspiele passen nur, wenn das Kind sie versteht und gern spielt; sie sind keine allgemeine Empfehlung für ADHS. Bei Wettbewerb besprechen Sie vorher, was bei Ärger oder einer Niederlage hilft.

Wie lassen sich die Spiele in den Alltag einbauen?

Wählen Sie eine kurze Runde zu einem Zeitpunkt, an dem das Kind noch mitmachen möchte. Nach einem anstrengenden Schultag kann zuerst eine Pause nötig sein. Ein Konzentrationsspiel ist keine Voraussetzung dafür, dass das Kind anschließend frei spielen darf.

Den Anfang und das Ende benennen

Sagen Sie konkret: „Wir suchen drei Paare, danach räumen wir weg.“ Ein sichtbares Ende ist leichter zu verstehen als „Spiel jetzt eine Weile konzentriert“. Beginnen Sie mit wenigen Minuten und beobachten Sie die Reaktion. Eine feste Aufmerksamkeitsspanne lässt sich aus der Diagnose ADHS nicht ableiten.

Hilfe geben, bevor Frust entsteht

Bei Memory können Sie einen Hinweis geben, beim Puzzle zwei Teile zur Wahl anbieten und beim Klatschspiel langsamer werden. Lob beschreibt eine Handlung: „Du hast noch einmal nachgesehen, bevor du die Karte genommen hast.“ Vergleiche mit Geschwistern oder anderen Kindern helfen bei dieser Aufgabe nicht.

Pausen und Tagesform berücksichtigen

Wird das Kind müde, ärgerlich oder beginnt es auszuweichen, wird die Runde unterbrochen. Fragen Sie, ob Material, Regel oder Dauer verändert werden sollen. Ein bekannter Ablauf kann an einem anderen Tag wieder passen. Wiederholung bedeutet nicht, eine abgelehnte Aufgabe täglich einzufordern.

Wie Konzentrationsspiele das emotionale Wohlbefinden von Kindern mit ADHS fördern
Wie Konzentrationsspiele das emotionale Wohlbefinden von Kindern mit ADHS fördern

Woran erkennen Sie, ob ein Spiel dem Kind bekommt?

Schauen Sie auf die konkrete Spielsituation: Versteht das Kind die Regel? Bittet es um Hilfe? Möchte es eine weitere Runde? Kann es nach einem Fehler weitermachen? Das sind nützliche Beobachtungen für die Spielauswahl. Sie belegen keine Behandlungserfolge und sagen nicht automatisch etwas über Leistungen in der Schule aus.

Notieren Sie bei Bedarf knapp, was funktioniert hat: „Drei Kartenpaare, zu zweit, ohne Zeitdruck.“ Diese Beschreibung ist hilfreicher als „Konzentration schlecht“. Wenn ein Kind über längere Zeit belastet wirkt oder Schwierigkeiten seinen Alltag deutlich beeinträchtigen, sprechen Sie mit den zuständigen Fachpersonen.

Wie stimmen sich Eltern, Kita und Schule ab?

Teilen Sie konkrete Beobachtungen und hilfreiche Anpassungen: wenig Material, eine einzelne Anweisung oder eine Pause vor dem Spiel. Die gleiche Übung muss nicht überall stattfinden. Wichtiger ist, dass Erwachsene die vereinbarte Unterstützung kennen und das Kind nicht mit widersprüchlichen Erwartungen konfrontieren.

Eine breitere Auswahl bietet die Übersicht Spiele für Kinder mit ADHS. Für spontane Runden gibt es ADHS-Spiele ohne Material. Wenn das Unterscheiden von Geräuschen, Formen oder Berührungen im Mittelpunkt steht, passen die Wahrnehmungsspiele bei ADHS.

Häufige Fragen zu Konzentrationsspielen bei ADHS

Wie schnell zeigen sich Fortschritte?

Dafür gibt es bei diesen Alltagsspielen keinen festen Zeitraum. Ein Kind kann einen Ablauf durch Wiederholung besser kennen, ohne dass sich andere Schwierigkeiten verändern. Passen Sie die Runde an das Mitmachen an und vermeiden Sie Versprechen einer bestimmten Wirkung.

Sind digitale Konzentrationsspiele nötig?

Nein. Die beschriebenen Aufgaben funktionieren gemeinsam und überwiegend mit Alltagsmaterial. Eine App sollte nicht als Behandlung dargestellt werden, nur weil sie Aufmerksamkeit verlangt. Prüfen Sie bei digitalen Angeboten Inhalt, Werbung, Kosten und Altersangemessenheit.

Was tun, wenn das Kind nicht spielen möchte?

Akzeptieren Sie das Nein. Bieten Sie später eine andere Idee an oder lassen Sie das Kind auswählen. Gemeinsames Spielen braucht keinen täglichen Leistungsnachweis.

🎲 Noch mehr passende Spielideen finden

In der Übersicht der Spielefinder lassen sich Spielideen gezielt nach Alter, Gruppengröße, Anlass und weiteren Kriterien auswählen.

Zur Übersicht der Spielefinder →

Empfehlen

Gute Beiträge und Spielideen sind zum Weitergeben da 💛

Hilf uns und teile sie. Vielen Dank!

Deine Meinung

Beitrag bewerten

Noch keine freigegebene Bewertung – du kannst die erste abgeben.

Wie hilfreich ist dieser Inhalt?

Die Bewertung erscheint erst, nachdem sie geprüft und freigegeben wurde.

Austausch

8 Kommentare

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.